Der Kinder- und Jugendtreff Hasenleiser im Wandel der Zeit: Peter Chladek blickt zurück
Seit über 50 Jahren ist der Kinder- und Jugendtreff Hasenleiser im Erlenweg 5 eine wichtige Anlaufstelle für junge Menschen zwischen 6 und 18 Jahren aus dem Viertel. Fast 40 Jahre davon hat Peter Chladek selbst miterlebt. Nun hat sich der Leiter der offenen Einrichtung in den Ruhestand verabschiedet.

Abschiedstreffen im Außenbereich des Jugendtreffs: Peter Chladek (Mitte) mit Carlos Meißner (links), Caritas-Vorständin Dr. Susanna Re (rechts) und Sabine Dumat-Gehrlein, Abteilungsleiterin Familie
„Im Laufe der Jahre haben sich sowohl die Zusammensetzung als auch die Themen, die die Kinder und Jugendlichen beschäftigen, immer wieder verändert“, berichtet er. Chladek hat seine gesamte berufliche Laufbahn im Kinder- und Jugendtreff Hasenleiser verbracht: 1987 hat er seinen Zivildienst dort absolviert und später auch sein Anerkennungspraktikum. 1993 startete er als frisch gebackener Diplom-Sozialpädagoge im Hasenleiser in sein Berufsleben und kann nun auf 33 Berufsjahre im Kinder- und Jugendtreff zurückblicken. Lange Zeit war die Einrichtung in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde Heidelberg, bevor sie 2017 an die Caritas in Heidelberg überging.
In den ersten zwei Jahren war der Jugendtreff noch im Keller des damaligen Kindergartens der Kirchengemeinde St. Peter untergebracht, bevor dieser Mitte der 70er Jahre auszog und dem Treff die Räumlichkeiten im Erdgeschoss und den großzügigen Außenbereich überließ. Mit der räumlichen Erweiterung konnte auch die Jugendarbeit ausgeweitet werden. „Damals waren wir sechs festangestellte Mitarbeitende, zwei Zivis, mehrere Praktikanten und eine Bürokraft“, erinnert sich Peter Chladek. „Heute sind wir drei hauptamtliche Mitarbeitende.“ Die Angebote reichen von verschiedenen Freizeitangeboten, wie Malen, Basteln, Kochen, Sportturniere oder gemeinsames Musizieren über Hausaufgabenbetreuung bis hin zu gemeinsamen Ausflügen, wie beispielsweise ins Kino, Schwimmbad oder zum Mini-Golf. Früher wie heute können Kinder und Jugendliche ohne Anmeldung, unverbindlich und kostenlos den Treff besuchen, sich dort mit Freunden treffen, an den Freizeit-Angeboten teilnehmen, mit den Mitarbeiter*innen spielen oder über ihre Probleme reden.
„Früher kamen vor allem Kinder türkischer Gastarbeiter zu uns, später dann vermehrt Jugendliche mit albanischem Hintergrund aus dem Kosovo. Der Treff war überwiegend geprägt von Kindern aus sozial eher schwachen Familien aus den umliegenden Sozialwohnungen der damaligen Höllenstein-Blocks“, erinnert sich Chladek. Inzwischen sind diese abgerissen und durch moderne und auch teurere Wohnungen ersetzt worden. „Damit hat sich natürlich auch die Zusammensetzung verändert. Wir haben inzwischen bestimmt zwischen 15 und 20 verschiedene Nationalitäten, auch aus Asien und den USA. Es ist bunt gemischt und die Eltern sind zum Teil wohlhabender und recht gut situiert“, erzählt Chladek. Ca. 80 Prozent der Jugendlichen sind Schüler der benachbarten IGH-Gesamtschule.
Durch die Ausweitung der Ganztagsangebote an den Schulen haben sich auch die Bedarfe verändert. So wird beispielsweise die Hausaufgabenbetreuung inzwischen fast vollständig über die Schule abgedeckt. Im Gegenzug bietet der Kinder- und Jugendtreff drei Mal pro Woche Nachmittags-AGs im Bereich Sport, Spiel und Basteln direkt an der IGH an. Eine weitere Kooperation besteht mit der Lebenshilfe: Alle 14 Tage kommen fünf bis sechs Kinder mit Betreuungsperson für zwei Stunden in den Kinder- und Jugendtreff, um mit den anderen Kindern und Jugendlichen zu spielen.
„Früher hatten wir ein viel stärkeres Stammpublikum und man hat von den einzelnen Kindern auch mehr mitbekommen – heute ist die Fluktuation sehr viel größer und die Probleme liegen inzwischen eher im digitalen Bereich“, erzählt Peter Chladek. Ein großes Thema sei inzwischen die exzessive Nutzung von digitalen Medien, vor deren Entwicklung man sich aber auch nicht verschließen könne, sagt er. Deshalb stellt der Kinder- und Jugendtreff eine Playstation und einen Computer zur Verfügung, die von den Jugendlichen jeweils für maximal eine halbe Stunde genutzt werden dürfen. Im Jugendtreff gibt es jedoch ganz bewusst kein W-Lan. „Wir versuchen mit den Jugendlichen Probleme bei der Mediennutzung zu thematisieren, wie Sucht, Cyber-Mobbing, Social Media und auch rechtliche Aspekte, wie Datenschutz. Wir haben auch schon eine medienfreie Woche organisiert und wollen im Herbst einen Referenten dazu einladen“, erzählt Chladek.
Insgesamt blickt er mit Stolz und Dankbarkeit auf sein Berufsleben zurück. Schließlich konnten in den vielen Jahren im Kinder- und Jugendtreff so manche Probleme und Konflikte gemeinsam gelöst werden. „Manchmal kommen ehemalige Besucher, die jetzt erwachsen sind, zu uns und sagen ‚Wenn ich euch damals nicht gehabt hätte, wäre es ganz schön schief gegangen!‘ oder „Super, dass ihr da wart‘“, erzählt Chladek. „Ein solches Feedback kommt oft ausgerechnet von denjenigen, mit denen wir früher Schwierigkeiten hatten. Das freut uns dann ganz besonders. Und viele schicken inzwischen auch ihre eigenen Kinder zu uns, weil sie so positive Erfahrungen mit dem Jugendtreff verbinden.“ Die große Gestaltungsfreiheit und das abwechslungsreiche Tätigkeitsfeld haben Chladek viel Freude bereitet: „Kein Tag war wie der andere – das war schon ziemlich klasse!“, sagt er. Trotzdem freut er sich auf den Ruhestand und darauf, sich seine Zeit selbst einteilen zu können und die Verantwortung abzugeben. „Bei meinen beiden langjährigen Kollegen Toni Kruse und Ute Körner ist der Kinder- und Jugendtreff in sehr guten Händen“, weiß Chladek.
Außerdem stehen im Erlenweg 5 gerade wichtige Neuerungen ins Haus: Derzeit werden alle Räumlichkeiten renoviert und neueingeteilt, denn ab Oktober zieht mit der Sozialen Gruppenarbeit, die den ehemaligen heilpädagogischen Hort im Margot-Becke-Ring ablöst, ein neues Angebot ein. Bis zu 20 Kinder mit besonderen Herausforderungen zwischen 6 und 15 Jahren werden dann von 13 bis 17 Uhr nach der Schule betreut und in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt. Carlos Meißner, der zuvor im heilpädagogischen Hort tätig war, übernimmt die Teamleitung sowohl für den offenen Jugendtreff als auch für die Soziale Gruppenarbeit: „Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe und die Weiterentwicklung der Angebote im Hasenleiser!“
Der Caritasverband Heidelberg-Rhein-Neckar e.V. ist ein Verband der freien Wohlfahrtspflege der katholischen Kirche und eine Gliederung des Caritasverbands für die Erzdiözese Freiburg sowie des Deutschen Caritasverbands. Als Träger unterhält der Caritasverband Heidelberg-Rhein-Neckar in Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis an den Standorten Schwetzingen, Sinsheim, Weinheim und Wiesloch ein breites Spektrum an Beratungsstellen und Angeboten. Er betreibt darüber hinaus drei Altenpflegeheime, vier Sozialstationen, drei Tagespflegen, eine Kinderkrippe, eine Werkstatt und eine Tagesstätte für psychisch Erkrankte sowie drei Tafelläden. Insgesamt beschäftigt der Verband über 850 Mitarbeiter*innen.
